Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

Wohnmobiltypen

 

Dieser Titel lässt vermuten, dass jetzt Informationen über Fahrgestelle, Motorisierung oder Aufbauten kommen.

Das wäre ja auch ein schönes Thema für einen Blog, aber ich möchte einmal, mit etwas spitzer "Feder" und einem breiten Schmunzeln im Gesicht, wohl wissend, dass ich damit auch auf mich zeige, die Typen, welche sich im Wohnmobil aufhalten, bzw. damit reisen, beleuchten.

 

1. Der Beginner:

Vielleicht noch nicht ganz davon überzeugt, ob das Reisen im Wohnmobil für ihn und die Gattin die richtige Wahl ist, setzt er sich aber forsch ans Steuer, des gerade gemieteten oder erworbenen Fahrzeuges. Was Frischwasser, Grauwasser und Druckpumpe sind, hat er sich (vielleicht) erklären lassen. Wo diese aber untergebracht sind, davon hat er zumeist keine Ahnung.

Auch die Funktionen des Kühlschranks, der Dachluken und der Heizungsanlage sind, wenn überhaut, nur spärlich bekannt.

Da aber jedes stehende Wohnmobil als unnötiger Freudenverzicht angesehen wird, wird sofort gepackt.

Für ein Wochenende soll es zu einem nicht zu weit entfernten Stellplatz gehen. Und los gehts: Bekleidung muss rein, für eine ganze Woche, jeweils 5 paar Schuhe, 7 Unterhosen und Unterhemden, Langärmlige Hemden (es wurden ja auch Temperaturen knapp unter 20°C angesagt) 7 T-Shirts, Hosenanzug und Ballkleid für die Dame (man weiß ja nie), und, und, und...

Nach mehrmaligem Umräumen (man hat ja schnell bemerkt, dass der Platz sehr beschränkt ist) hat sich der Fundus zumeist mindestens halbiert und nach weiteren 5-6 Umschichtungen haben auch die Getränke und Lebensmittel einen Platz gefunden. Oftmals geht dieses Stauen nicht ohne heftige Auseinandersetzungen vonstatten, welche dann schon mal in der Frage enden: "Soll ich wirklich mit der (dem) zusammen mit dem Wohnmobil fahren?" Aber das relativiert sich spätestens, wenn die Türen und Klappen geschlossen sind und da Wohnmobil dem ersten Ziel entgegen rollt.

Wenn dann plötzlich ein anderes Wohnmobil entgegenkommt und die Insassen grüßend die Hände heben, fragt man sich, "wer war denn das? Ein Bekannter?" Auf der Weiterfahrt wird einem dann klar, dass ja die meisten Wohnmobilfahrer grüßen und man grüßt immer öfter zurück, in dem geahnten Bewusstsein, jetzt einer priviligierten Klasse anzugehören, bei welcher das wohl so üblich ist. Hurra, Stellplatz, wir kommen.

Auf dem Stellplatz kommen dann wieder neue Anforderungen auf den Beginner zu. Wo ist noch ein Plätzchen frei, wie stelle ich das Fahrzeug da hin, steht es auch gerade? Ausgleichskeile? Was ist das denn? Stromkasten? Wo ist denn der? Und plötzlich steht er in einer anderen Welt. 

Zum Glück gibt es aber überall alte Hasen. Hier ein Tipp fürs Aufstellen, da ein Stromadapter (leihweise) und schon hat man Kontakte und die Lehre beginnt. Am Ende des Tages brummt dann der Schädel vor Begriffen wie Chemietoilette, SOG, Lichtdom, Wasseradapter, Luftfederung und Überladung, Gasanschluss (huch, wo sind denn eigentlich die Gasflaschen) und die Löschdecke.

Nachdem dann doch die Gasflaschen gefunden und der Gashahn geöffnet ist, geht es an die Zubereitung der ersten Mahlzeit und die Vorbereitung der ersten Nacht. 

Kaum hat er sich zur Ruhe gelegt, klopft es draußen an die Türe und ein aufgebrachter Platzwart macht ihn darauf aufmeksam, dass er Wasser verliert. Nach kurzer Recherche stellt er dann fest, dass der Grauwasserhahn nicht geschlossen war. Wieder was gelernt.

So ziehen sich die Stunden und Tage dahin, in denen stetig neue Erkenntnisse zu den bisherigen Erfahrungen hinzugefügt werden. Immer neue Wohnmobilisten kommen hinzu, mit denen man sich gut versteht, mit denen man zusammen sitzt und mit denen man sich so schön austauschen kann. Kurz vor der Heimreise kennt er sich dann auch mit Innen- und Außenisolierung, Bordbatterie und Solarzellen, Ver - und Entsorgung, sowie Heckstützen und On-Bord-Dusche bestens aus.

Leider geht dann die Fahrt wieder nach Hause und dort stellt er dann fest, dass er eigentlich mit der Häfte ( oder eher einem Drittel) der mitgenommenen Sachen ausgekommen wäre.

Mit dieser Erkenntnis hat er sich dann aus dem Kreise der Beginner heraus katapultiert.

Jetzt wird gegrüßt auf Teufel komm raus, jetzt muss keiner mehr grinsen, wenn er seinen Stellplatz anfährt und niemand kann ihm mehr ein X für ein U  machen.

Er ist jetzt ein Wohnmobilist!

 

 

 

2.  Der alte Hase

 

Überall, auf allen Stellplätzen der Welt, findet man die alten Hasen.

Diese Spezies der Wohnmobilisten zeichnet sich weniger durch überlange Ohren, sondern mehr durch Selbstsicherheit und Souveränität auf den Stellplätzen aus.

Mit geübtem Blick findet er, schon bei der Anfahrt des Areals, den für ihn besten Platz. Dieser wird dann aber auch spontan und geradlinig angefahren. Er kennt sein Mobil, er weiß wo die Anschlüsse sind, er kennt die Stufe des Auffahrkeiles, der das gerade Stehen des Gefärtes garantiert. Deshalb reagiert er auch nur selten auf hilfreiche Einweisungsversuche anderer Mobilisten. Wenn dann der Fahrradträger nicht mehr zu erreichen ist, weil er sich im Gesträuch befindet, wird das damit ausgeglichen, dass er erklärt, dass er sowieso nicht radfahren wolle (die Fahrräder sind ja auch nur als Ballast fürs Fahrzeug gedacht).

Steht das Mobil dann gerade, geht es in Windeseile los: automatische Trittstufe raus, Gashahn geöffnet, Stromanschluss fertig gemacht, Stühle raus, Tisch aufstellen, Flasche und Gläser auf den Tisch und in den Campingsessel fallen lassen. Urlaub, ich bin da.

Alle anderen Tätigkeiten sind jetzt für die Gattin da. Sie darf im Womo alles in einen wohnlichen Zustand bringen und die Fußmatte heraus reichen, welche vor der Trittstufe platziert wird.

Auf die Frage seiner Gattin, ob er denn schon den Obolus für den Standplatz entrichtet hat, steigt er ruhig aus seinem Sessel und geht mir federndem Schritt, der Stelle zu, wo die Standgebühr zu errichten ist. Bei der Rückkehr zu seinem Fahrzeug nimmt er das Spalier der anderen Wohnmobile ab, wobei er jetzt schon zu jedem Fahrzeug eine Bewertung der Eigentümer vornimmt.

Hier und da wird gegrüßt und ein Small-Talk gehalten, ansonsten geht es wieder zielstrebig dem Sessel zu.

Bei dem alten Hasen gibt es keine Unstimmigkeiten. Alles ist so oft durchgespielt, dass es weder Diskussionen, noch Anweisungen bedarf, um das Wohnmobil in ein funktionierendes, rollendes Eigenheim zu verwandeln.

Natürlich ist er stets zu nützlichen Auskünften, über alle Bereiche des Wohnmobil-Genres bereit. Er steht seinen Platznachbarn jederzeit mit Rat und Tat (ob sie es nun wollen, oder nicht) zur Seite. Kein Thema ist ihm fremd. Seien es Stellplätze und deren Betreiber (er kennt sie ja schließlich fast alle), Federbeine von Eisenhauer (die sollen die besten sein), Hubstützen, Sat-Antennen, Rückfahrkameras und was man damit alles anstellen kann, Solarpanels und Zusatzbatterien, Bereifung und Stromaggregate, sowie Reiserouten im Ausland (da müsst ihr unbedingt hinfahren, da gibt es die größten Zuckerebsen der Welt) etc. etc.

Alle Fragen beantwortet er gerne, auch wenn sie manchmal gar nicht gestellt wurden.

Oft kann man ihn dadurch erkennen, dass sich die Rückseite (und wenn diese nicht reicht, auch die Seitenwände) des Wohnmobils als eine Collage aus Aufklebern zeigt. Hier kann man stundenlang vor stehen und die angefahrenen Orte  bestaunen. Auch gibt der alte Hase gerne zu jedem Sticker einen Kommentar mit Datum un Uhrzeit ("Enni, war das nicht, wo wir auch die aus Mainz getroffen haben? Die mit dem Hund? Ja, das war da, da hat Enni auch den Schuh verloren, Ha Ha Ha").

 

Es ist also immer ein Erlebnis, mit einem alten Hasen zusammen auf einem Stellplatz zu stehen. Man lernt viel, kann an seinen Erfahrungen teilnehmen und sich vor manchem Missgeschick schützen (das ihm wiederfahren ist).

Der alte Hase ist schon eine Bereicherung der Wohnmobilszene. 

Nur vor einem hat er etwas Angst: Vor noch älteren Wohnmobilhasen.

 

 

 

3. Der Zufriedene

 

Wenn ein Wohnmobil auf einen Stellplatz zu fährt, welchem man schon ein langes und erfahrenes Wohnmobilleben ansieht, kann man davon ausgehen, dass der Fahrzeuglenker zu der Gattung der Zufriedenen gehört.

Ihm kommt es nicht darauf an, ein hochmodernes Gerät über die Straßen zu bewegen, welches vor allerlei technischen Raffinessen strotzt. Er hat sich in seinem rollenden Bungalow so gemütlich eingerichtet, dass er es niemals gegen ein anderes Wohnmobil eintauschen würde.

Wie viele Stunden, Tage und Monate hat er in seinem lieb gewordenen Gefährt verbracht. Wie viele Kilometer hat er mit ihm erkundet. Zwischen ihm und seinem Auto ist mit der Zeit eine Symbiose gewachsen, an der kein hochglanzprospektiertes Luxusgefährt kratzen kann. Er liebt seine Kutsche, hat ihm einen Kosenamen gegeben und hört, riecht und schmeckt schon im voraus, wenn es seinem Partner nicht gut geht.

Dabei machen ein paar Macken an der Außenhaut nichts aus, sind sie doch die Beweise einer gemeinsamen abenteuerlichen Vergangenheit.

Ihm kommt es darauf an, dass es im Innenraum gemütlich ist, dass er (und ggf. seine Gattin, sowie ggf. sein Hund) genug Platz hat. 

Das was er benötigt, hat er in ein paar kleinen Staufächern verstaut und was da nicht rein passt, braucht er eben nicht.

Sein altes Fahrrad steht unverhüllt auf dem Heckträger, auf welchen noch mehr Dinge, in selbstgebauten Behältnissen verstaut sind. Da kommen die Angeln in umgebaute Kanalisationsrohre, die Klappstühle und der Tisch sind in einer zweckentfremdeten Aluminiumkiste und am Standrohr des Fahrradträgers ist die Außendusche angebracht.

 

Er ist kein Störenfried auf dem Stellplatz. Er führt gerne ruhige Gespräche und ist für manchen ein williger Zuhörer, dessen tolle Erzählungen eigentlich niemanden interessieren. Er hört zu, sagt schon mal "hmm", oder "ja", nickt dazu und wenn sein Gesprächspartner dann geendet hat, dreht er sich zufrieden um, geht zu seinem Schatz zurück und hat bereits alles vergessen.

Er hat Gehör für alle Nöte und Sorgen seiner Mitmenschen (weil er sich nicht damit belastet und alles schnell wieder vergisst), lässt sich allerdings nur selten zu irgendwelchen Statements oder Zusagen bewegen. Das könnte ja zu Unzufriedenheit führen.

 

Nichts ist ihm so heilig, wie seine Ruhe. Er ist der Felsen in der Brandung. Mit ihm kann man rechnen (aber nur, dass er da ist).

 

Dann fährt er wieder weg mit seinem, in die Tage gekommenen Wohnmobil.

Alle Womonachbarn winken ihm noch zum Abschied und haben ihn schon wieder vergessen, sobald der Schatten seines mobiles den Augen entschwunden ist.

 

 

 

4. Der Verbesserer

 

In jedem Wohnmobil, egal wo und in welchem Zustand man es erwirbt, steckt ein Potential an Verbesserungen. Seien es die Gardienen, die Position des Fensehers oder ein Regalkörbchen neben der Spüle. Irgendwie strebt ein jeder nach der individuellen Note und richtet sich dementsprechend ein.

Damit gibt sich der Verbesserer jedoch nicht zufrieden. Bei ihm wird zuerst einmal erkundet, wo was eingebaut ist, wie man am besten da ran kommt und ob das überhaupt so praktisch oder nötig ist.

In kürzester Zeit kennt er alle Kabelbäume, deren Verlegung und Schaltstellen. 

Daraus werden dann Verbesserungspläne geschmiedet und schon bald sieht man ihn in den Tiefen des Wohnmobils verschwinden. Bäuchlings im Zwischenboden, in Rückenlage unter der Matratze, über das Dach des Gefährtes kriechend und sich unter dem Fahrzeugboden windend, stets mehrere Werkzeuge gleichzeitig mit sich führend, wird aus einem Seirenmobil ein Unikat gemacht.

Was lässt sich nicht alles verändern. Das Spektrum ist für den Verbesserer schier unbegrenzt. Zuerst wird eine Solaranlage montiert (man will ja schließlich auch nach einem Monat in der Pampa nicht auf Strom verzichten), um den Strom zu bunkern, müssen dann zwei dicke Zusatzbatterien (die alleine schon für drei Wochen Strom liefern können) eingebaut werden. Dann wird die manuelle Sat-Schüssel durch eine Vollautomatische ersetzt. Eine Klimaanlage wird eingebaut und das Versorgungskabel und der Wasserschlauch brauchen jeweils eine automatische Aufrollvorrichtung. 

Nun wird noch eine Alarmanlage eingebaut. Diese ist mit allerlei Sensoren versehen. Für Butangas, für CO2, Rauchgas, KO-Gas, Sauerstoffknappheit (selbst auf vermehrt auftretende eigene Blähungen spricht sie an). Ein oder mehrere Näherungssensoren, Türsicherungen und eine automatische Alarmweiterschaltung aufs eigene Smartfon (sicher ist sicher). 

Überhaupt wird die Elektrik so umgebaut, dass man von jeder Stelle des Wohnmobils, alle Lampen und andere Verbraucher schalten und überwachen kann. Jede Batterie im Fahrzeug (und das werden mit der Zeit immer mehr) kann nachher einzeln überwacht und geladen werden und schon bald ist alles was sich schalten lässt, auch über Funk schaltbar.

Es kann zwar vorkommen, dass bei der Vielzahl der Verbesserungen, das Eine oder Andere (meist dringend benötigte) Equipment nicht mehr ordentlich funktioniert, aber auch das wird dann, durch einen schnellen Kunstgriff, wieder in Ordnung (guckst du, geht doch) gebracht. Oftmals ist dann jedoch schon ein solches Kabelgewirr vorhanden, dass sich der Verbesserer nicht mehr so genau daran erinnert, wo was zu wem führt und mit was es in Verbindung steht (wer was aufschreibt, ist feige).

 Der Fahrradträger verschwindet und dafür wird eine geschlossenen Garage für den Motorroller angebaut. 

Als nächstes kümmert er sich um die Unterseite des Autos. Da werden dann automatische Hubstützen und eine 4-Kreis (eine 2-Kreis hätte es auch getan) Luftfederung eingebaut (man gönnt sich ja sonst nichts). 

Immer mehr tolle Sachen werden ein und umgebaut. 

Da der Verbesserer sein ganzes Interesse der Verbesserung des Fahrzeugs widmet, Ist er nur selten, und wenn doch, nur kurzfristig auf den Stellplätzen zu finden. Wenn aber doch, so werden die Errungenschaften seines unbeirrbaren Eifers auch eindrucksvoll präsentiert. 

Da wird erst einmal ein schräger Standplatz ausgesucht und das Wohnmobil mit den Hubstützen so gerade ausgerichtet, dass mindestens drei Räder vom Boden abgehoben sind. Die automatische Antenne wird ausgefahren und fährt dann automatisch wieder ein, wenn der Fernseher nicht eingeschaltet ist. Bei jedem Einschalten des TV quirlt dann die Antenne wieder auf dem Dach herum. Das macht Eindruck. Der Roller wird aus der angebauten Garage gefahren und vorsichtshalber noch einmal geputzt und um allen zu zeigen, dass er alles zum Überleben an Bord hat wirft er seinen Moppel an und schaufelt seine Batterien nochmal mit Strom voll.

Wenn jetzt alle Aggregate ihre Tätigkeit aufgenommen haben, setzt er sich vor sein Womo, berät sich mit den Nachbarn, nicht ohne ihnen alle seine Aktivitäten zu schildern, was noch alles möglich wäre und siehe da, schon sind die nächsten Verbesserungen gefunden und geplant.

Jetzt kann er alles wieder mit ruhigem Gewissen abbauen und seinem Heimatort entgegen fahren.

Er hat wieder Ideen, was zu verbessern und die wollen bis zur nächsten Fahrt umgesetzt sein.

 

 

5. Der Ruhelose

 

Er ist in allen Kategorien der Wohnmobilisten zu finden.

Vom kleinsten, mit Bett und Kocher ausgestatteten SUV bis zum komfortablen 15t Großschiff.

Kein freies Wochenende, wird ausgelassen, das Wohnmobil zu bewegen. Der Wagen steht stets fahrbereit und aufgerüstet an seinem Platz. Alle freie Minuten werden dazu genutz, das Wohnmobil in startbeitem Zustand zu halten. 

Ist dann der Zeitpunkt gekommen, an dem keine anderen Aufgaben auf ihn warten, wird der Rest der Mannschaft ins Wohnmobil gepackt und die Reise beginnt.

Der Motor wird gestartet und auf gehts, zum ersten Stellplatz. Nach mehrstündiger Fahrt kommt das erste Ziel in Sicht. Der im Internet ausgesuchte Platz erweist sich als sumpfiges Wiesengelände, welches außer der Möglichkeit des kostenfreien Stehens, keine weiteren Annehmlichkeiten bietet.

Also nicht lange gefackelt, weiter gehts. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt , steht er vor dem nächsten, ausgesuchten Stellplatz. Der ist zwar nicht ganz eben, bietet dafür aber eine gewisse Infrastruktur und ist auch nicht zu teuer. 

Nach dreimaligem Umrunden der noch freien Plätze, entscheidet er sich für eine Parzelle und stellt sein Gefährt dort ab.

Jetzt geht die Hektik los. Die Frau muss raus um ihn einzuweisen (das Auto steht ja nicht gerade und muss unterbaut werden). Steht es richtig wird in Windeseile die Stromversorgung eingerichtet, der Gashahn geöffnet, zusätzliches Wasser gebunkert (man fährt doch nicht unnötig Wasser spazieren), die Fahrräder fahrbereit gemacht und schon ist er, nebst Gattin, vom Stellplatz verschwunden.

Abends, wenn die Stadt fertig erkundet ist, werden die Räder wieder fein verstaut und der Grill kommt zum Vorschein (Camping ohne Grillen geht ja gar nicht). Ohne Rast wird jetzt das mitgebrachte Fleich auf dem feurigen Ofen geröstet und unverzüglich verspeist. Danach der Grill wieder verstaut und der Abend mit Fernsehen eingeläutet. 

Für tiefsinnige Gespräche mit den Nachbarn ist kaum Zeit vorhanden, denn am Nächsten Tag soll's dann wieder weiter gehen.

Am nächsten Morgen lässt er es sich nicht nehmen, als erster die Türe zu öffnen und den jungen Tag zu begrüßen. Brötchen holen und kurz nach dem schnellen Frühstück das Auto fertig machen, gehören zum morgendlichen Ritual. Bevor die anderen Stellplatzbewohner aus den Federn gekrochen sind, brummt sein Diesel schon vom Platz und einem neuen Ziel entgegen.

 

6. Der Helfer

Er ist fürwahr einer der angenehmsten Nachbarn auf dem Stellplatz.

Schon wenn er ankommt, stellt er sich bestimmt auf eine Parzelle, von der er den gesamten PLatz (aber wenigstens den größten Teil des Platzes) gut übersehen kann. Geschickt wird das Gefährt ausgerichtet und vor dem Wagen eine strategisch durchdachte Sitzgruppe installiert.

Nach getaner Aufbauarbeit sitzt er dann im Campingsessel und taxiert die umstehenden Wohnmobile. Wie sind sie Aufgestellt, stehen sie gerade, wie sind die Stromanschlüsse verlegt, wie ist die Markise ausgefahren?

Alle Details nimmt er scharfsichtig wahr und hat für Manches, was er da sieht, eine Verbesserungslösung.

Aber er drängt sich nicht auf, weiß er doch, dass er bei Bedarf bei jeder Situation helfen kann.

Sein Wohnmobil, natürlich eins der gehobenen Gewichtsklasse, ist mit allem ausgerüstet, was das Wohnmobilistenherz begehrt. Da ist die Hälfte der Garage mit Kästen ausgestattet, in denen allerhand Utensilien ruhen. Von der Schlauchschelle (Natürlich alle Größen vorhanden) über Kabelschuhe, Wasserhähne, Dichtungen, Kabel aller Art, Wasserschläuche und -kannen, Beleuchtungsmittel, Dichtmittel, Polituren, Klebebänder, Kleiderhaken, Wäscheklammern, verschiede Hämmer, Häringe, Schnüren und Gurte, Haken, Schrauben, Nägel, eben Alles, was man braucht oder auch nicht.

Wenn jetzt irgend ein Nachbar grübelnd vor seinen Gefährt steht und offensichtlich über etwas nachdenkt, steht der Helfer langsam auf und nähert sich dem Kollegen mit der Frage: "Probleme"?

Wenn ihn jetzt eine Schwierigkeit berichtet wird, in dem der Andere sich befindet, läuft er zur Hochform auf. "Lass mal sehen",sind dann seine Worte und nach einem schnellen Blick auf den Ursprung der Schwierigkeit, geht er schnurstracks zu seinem Wohnmobilen-Werkstattwagen, um die nötigen Utensilien zu holen.

Bepackt mit allerhand Krimskrams erscheint er dann wieder und gleich wird das Übel aus der Welt geschafft (oder wenigstens so kaschiert, dass es keiner mehr merkt).

Natürlich kommt dann, nach getaner und geglückter Arbeit, der Hinweis, dass es immer gut ist, für alle Fälle gerüstet zu sein.

Selbst wenn jemand auf das Dach seines Womos möchte, er hat eine ausziehbare Leiter an Bord. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Der Helfer ist eine echte Bereicherung auf dem Stellplatz, zumal er seine Dienste nur selten vergütet haben will. 

Wenn der Helfer jedoch bemerkt, dass auf dem Stellplatz seine Dienste nicht gebraucht werden, setzt er sich hinters Steuer und fährt den nächsten Platz an. 

Er weiß halt, dass es überall Kollegen gibt, welche sich nicht zu helfen wissen und bestimmt schon auf ihn warten.

 

 7. Der Oberlehrer

 

Einer von der ungemütlichen Sorte ist der Typ Oberlehrer.

Natürlich ist auch er ein ausgemachter Womo-Entusiast, jedoch hat er immer und überall seine Prinzipien.

Bei der Ankunft auf dem Stellplatz sucht er zuerst nach Markierungen am Boden, an welchen er sich orientieren kann (ohne Markierungen ist ein Stellplatz ja chaotisch). Dann wird solange rangiert, bis dass sein Gefährt auch exakt parallel zu der gefundenen Abgrenzung und in einem von ihm vordefinierten Abstand zu Dieser steht. 

Jetzt stellt sich heraus, dass der Nachbar (der steht doch tatsächlich falsch in seiner Box) nur noch mit Mühe und Not sein Womo verlassen kann. Da sich unser Freund aber korrekt an die Abgrenzung gehalten hat, ist das für ihn doch kein Problem. Er steht richtig.

Auch weist er Neuankömmlinge darauf hin, dass sie sich doch bitte an die Markierungen zu halten haben und das in der richtigen Richtung. (Ordnung muss schließlich sein)

Dann wird die für ihn zuständige Stromsäule gesucht und das Kabel fein säuberlich am Rand der Stellfläche verlegt. Sollte sich jedoch ein Anderer erdreistet haben, statt an der für ihn zugewiesenen Stromsäule, an der Säule unseres Freundes einzuklinken, wird dieser Stecker kurzerhand entfernt und der eigene Stecker angeschlossen. (was Recht ist, muss Recht bleiben)

Natürlich führen solche Vorgehensweisen zu Spannungen unter den Stellplatnachbarn, aber denen sieht er mit Gelassenheit entgegen. Hat er sich doch nur an die Platzordnung gehalten.

 

Abends, nachdem er sich bei seinen Kontrahenten durchgesetzt hat, und diese ihre Fahrzeuge umgesetzt haben, geht er noch einmal über den Platz um evtl. andere Wohnmobilisten, die noch feiernd zwischen den Womos sitzen und sich dabei gut unterhalten, darauf hin zu weisen, dass die Unterhaltung doch besser auf eine geringe Lautstärke zu reduzieren wäre.

 

Danach geht er in seine Koje, schläft zufrieden ein und kann dann beim ersten Hahnenschrei wieder putzmunter seine Tätigkeiten aufnehmen. Da wird im Morgennebel die Wagentüre lautstark geschlossen, der Motorroller gestartet um Brötchen zu holen. Natürlich muss der dann auch sofort wieder verstaut werden, was nun mal nicht geräuschlos zu bewerkstelligen ist. Dann wird noch entsorgt, neues Wasser gebunkert und einige Sachen aus den Staukästen geholt.

Spricht man ihn dann darauf an, ob der Lärm am frühen Morgen denn nötig sei, weist er jeden, der es wagen sollte Kritik an ihm zu üben, darauf hin, dass die Nachtruhe von 22 Uhr bis 7 Uhr in der Frühe gilt und er sich strikt daran gehalten habe.

 

Natürlich ist er auf dem Stellplatz sehr schnell zu einer bekannten Persönlichkeit aufgestiegen, was ihn sehr erfreut, denn schließlich weiß er, wie man sich richtig verhält und es kann nur gut sein, wenn man ihn zum Vorbild hat.

 

Verlässt er dann den Stellplatz wieder, ist er sich sicher, dass die anderen von ihm gelernt haben, die anderen Stellplatznachbarn sind jedoch froh, dass der Stinkstiefel weiter gezogen ist.

 

Jetzt kann wieder relax gelebt werden.

 

 

Weitere Artikel

Veranstaltungen

25 Aug 2017
10:00AM - 06:00PM
CARAVAN SALON DÜSSELDORF 2017
22 Nov 2017
08:00AM - 05:00PM
Caravaning & Camping sowie Bike & Outdoor